Positionen


Diese Seite soll einen groben Überblick über unsere Vorstellungen eines besseren Bildungssystems sowie unsere Forderungen an die Landes- und Bundespolitik geben. Eine ausführliche Begründung der hochschulpolitischen Forderungen gibt es auch auf www.unsereunibrennt.wordpress.com.

1. Freiräume schaffen

Das Bildungscamp ist ein Freiraum für ein ganzheitliches Bildungsideal und für die kulturelle Entfaltung der Teilnehmer. Solche Freiräume werden in München immer
seltener, da kreative Orte immer öfter profitorientierten Bauvorhaben weichen müssen. Das Bildungscamp stellt auch einen Gegenentwurf zu dieser Entwicklung dar.

2. Stellenwert und Ziel der Bildung

Es ist unser erklärtes Ziel, den Stellenwert der Bildung in unserer Gesellschaft zu stärken. Wir, die Veranstalter, möchten, dass wieder mehr über Bildung und das Bildungssystem diskutiert wird. Eine stetige kritische Auseinandersetzung mit dem bestehenden System ist Grundvoraussetzung, um eine gute Bildung zu gewährleisten. Wir sind der Meinung, dass selbstbestimmte Bildung die Grundvorrausetzung für ein erfolgreiches Zusammenleben in der Gesellschaft darstellt.
Deshalb verstehen wir das Camp als ein „Bildungsfestival“, das auch Spaß an einer frei zugänglichen und ganzheitlichen Bildung vermitteln soll. Es soll eine echte Gemeinschaft der Lernenden und Lehrenden sein. Wir verwehren uns dagegen, Menschen nur als „Humankapital“ zu betrachten. Bildung selbst ist das Ziel, nicht die Frage danach, wie man aus seiner Ausbildung den maximalen finanziellen Profit schlagen kann.

3. Ausfinanzierung der Bildungseinrichtungen

Bildungseinrichtungen in Bayern und ganz Deutschland sind chronisch unterfinanziert. Schon in der unzureichenden Bereitstellung von KiTa-Plätzen zeigt sich die mangelhafte Finanzierung des Bildungssystems, die sich durch sämtliche Schulen bis zu den Hochschulen durchzieht. Ein Beispiel direkt vor dem Bildungscamp: die LMU München ist für 25 000 Studierende ausgelegt, im Sommersemester 2012 sind fast 50 000 Studierende eingeschrieben. Einzelne Lehrveranstaltungen waren im Jahr 2011 bereits mehr als 400 % überbelegt. In den nächsten Jahren ist aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs mit einer deutlich erhöhten Anzahl von Erstsemestern
zu rechnen. Die Regierung des Freistaates Bayern reklamiert eine führende Rolle beim Thema Bildung für sich, zieht sich aber gleichzeitig konsequent aus der Finanzierung von Bildung zurück. Im Jahr 2007 wurden „Studienbeiträge“ eingeführt, die nachweislich viele junge Menschen vom Studium abhalten. Die Bildung wird somit
noch abhängiger vom Geldbeutel der Eltern. Wir lehnen soziale Schranken im Bildungssystem ab. Wir fordern freien Zugang zur Bildung für alle von der KiTa bis zur Hochschule, da Bildung ein Grundrecht darstellt. Wir fordern die sofortige Abschaffung der Studiengebühren und eine Kompensation der wegfallenden Mittel sowie eine echte Ausfinanzierung aller öffentlichen Bildungseinrichtungen durch den Freistaat Bayern.

4. Reform des G8 und der Bachelor-/Master-Studiengänge

Durch die Einführung des achtjährigen Gymnasiums (G8) und die Einführung der Bachelor-/Masterstudiengänge im Zuge der Bologna-Reform, hat sich das Lernklima stark verändert. Durch die inhaltliche Überladung des Curriculums, verbunden mit dem stark erhöhten Prüfungsdruck werden SchülerInnen und StudentInnen zum Funktionieren erzogen. Für eine kritische Hinterfragung des Lernstoffs bleibt gewöhnlich keine Zeit. Nicht nur in der Schule, selbst an den Universitäten wird selbstbestimmtes Lernen durch kleinkarierte Studienpläne verhindert. Durch die Zerstückelung der Lerninhalte wird die umfassende Bildung in einem Themengebiet systematisch verhindert. Den Lernenden wird keine Allgemeinbildung mehr vermittelt, stattdessen werden sie dafür belohnt, eine große Anzahl von Fakten auswendig zu lernen und diese möglichst präzise wiedergeben zu können. Ziel eines Bildungssystems kann nicht die massenhafte Ausbildung gedanklich gleichgeschalteter Pflichterfüller sein. Stattdessen ist die Gesellschaft auf selbstständig denkende, politische BürgerInnen angewiesen. Wir fordern deshalb eine umfassende Reform des G8 und der Bachelor/Masterstudiengänge. Eine Abkehr von der Prämisse der Ökonomisierung der Bildung und eine Rückbesinnung auf die wahre Aufgabe der Schulen und Universitäten in einer demokratischen Gesellschaft: Die ganzheitliche, kritische, aufgeklärte Bildung aller BürgerInnen.

5. Demokratisierung von Bildungseinrichtungen

Entscheidend für die Politisierung eines Menschen ist die Möglichkeit zur politischen Mitbestimmung. Diese wird an bayerischen Universitäten konsequent unterbunden,
insbesondere da die „Verfasste Studierendenschaft“ 1974 abgeschafft wurde. Die Verfasste Studierendenschaft ermöglicht den Studierenden, selbstständig demokratisch
über die Art und Struktur ihrer eigenen Vertretung zu entscheiden. Momentan ist jedoch diese „Satzungshoheit“ genauso wenig gegeben, wie die „Finanzhoheit“, die es den Studierenden ermöglicht, unbürokratisch über ihre eigenen finanziellen Mittel zu entscheiden. Zudem hat die Studierendenschaft als Körperschaft des öffentlichen Rechts ein hochschulpolitisches Mandat und juristische Eigenständigkeit. Eben diese Eigenständigkeit verweigert die bayerische Landesregierung den Akademikern
der zukünftigen Generation, meist mit Verweis darauf, dass die Verfasste Studierendenschaft ohnehin nicht nötig sei. Doch wie sollen junge Menschen demokratisches Denken und Handeln lernen, wenn sie sich von Kindheit an in der Schule und auch später als erwachsene Bürger an der Universität ständig in einem streng hierarchischen System befinden, in dem demokratische Einflussnahme auf wichtige Entscheidungen konsequent verhindert wird? Wir fordern deshalb die sofortige Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft in Bayern und darüber hinaus die Einführung der viertelparitätischen Besetzung aller universitären Gremien mit den vier universitären Gruppen: ProfessorInnen, Studierende, wissenschaftliche MitarbeiterInnen und nicht-wissenschaftliche MitarbeiterInnen. Gegenwärtig sind die drei letztgenannten Gruppen deutlich unterrepräsentiert. So sind 10 der 18 Senatsmitglieder der LMU ProfessorInnen, dabei macht diese Gruppe nur gut 1% der Angehörigen der LMU aus. Umgekehrt wird die mit Abstand größte Gruppe der Studierenden von nur zwei studentischen Senatoren vertreten. Dieses Ungleichgewicht besteht auf sämtlichen Ebenen der Universität, sodass eine echte demokratische Mitbestimmung, wie sie in einer demokratischen Gesellschaft selbstverständlich sein sollte, verhindert wird.